
Im Marien-Hospital Euskirchen wurde bei einem Besuch von Vertretern aus Politik und Schmerzmedizin auf die schwierige Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen aufmerksam gemacht. Bis Betroffene eine spezialisierte Schmerztherapie erhalten, vergehen im Durchschnitt etwa zwei Jahre – oft nach einer langen Odyssee durch verschiedene Arztpraxen und Untersuchungen.
Nach Schätzungen leiden in Deutschland 15 bis 20 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, rund sechs Millionen davon mit erheblichen Einschränkungen im Alltag. Dennoch erhält nur etwa jeder elfte Betroffene eine spezialisierte schmerztherapeutische Behandlung.
Das Krankenhaus setzt auf die multimodale Schmerztherapie, bei der Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Pflegekräfte und speziell ausgebildete Pain Nurses eng zusammenarbeiten. Ziel ist nicht unbedingt vollständige Schmerzfreiheit, sondern eine deutliche Schmerzreduktion, mehr Lebensqualität und eine bessere Teilhabe am Alltag.
Besonders wichtig ist dabei die Behandlung von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren, da chronische Schmerzen als eigenständige Erkrankung gelten und häufig auch psychische Belastungen eine Rolle spielen.
Sorge bereitet den Fachleuten die geplante Krankenhausreform. Da die Schmerzmedizin bislang keine eigene Leistungsgruppe erhalten soll, befürchten Experten erhebliche Nachteile für spezialisierte Schmerzkliniken. Nach Berechnungen der Deutsche Schmerzgesellschaft könnten rund 22 % der Kliniken mit multimodaler Schmerztherapie betroffen sein, wodurch etwa 44 % der stationären Behandlungsfälle gefährdet wären.
Die Experten fordern deshalb eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung sowie einen schnelleren Zugang zur passenden Schmerztherapie. Dies würde nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern langfristig auch die hohen volkswirtschaftlichen Kosten chronischer Schmerzen senken.

Der Artikel erschien zuerst auf rundschau-online.de
