Koalition will Telefon-Krankschreibung abschaffen (aerztezeitung.de)

Smartphone, Telefon-AU gestrichen, gelber Schein

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsausschuss auf ein umfangreiches Reformpaket verständigt. Im Gesundheitsbereich sorgen vor allem zwei geplante Änderungen für Kritik:

  • Die telefonische Krankschreibung (Telefon-AU) soll abgeschafft werden
  • Arbeitnehmer sollen künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen müssen. Bislang ist dies grundsätzlich erst ab dem vierten Kalendertag vorgeschrieben (sofern der Arbeitgeber nichts anderes verlangt)

Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte die Maßnahmen als notwendig. Angesichts der hohen Krankenstände könne sich Deutschland den wirtschaftlichen Nachteil nicht länger leisten. Er sprach von einer “harten Entscheidung”.

Ärzte widersprechen der Begründung

Ärzteverbände bezweifeln, dass die hohen Krankenstände auf einen Missbrauch der Telefon-AU zurückzuführen sind. Sie verweisen darauf, dass seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2023 alle Krankmeldungen vollständig digital erfasst werden und dadurch die Statistik gestiegen sei – nicht zwingend die Zahl der Erkrankungen.

Massive Kritik aus dem Gesundheitswesen

Zahlreiche Organisationen lehnen die Pläne ab, darunter:

  • die Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • die Bundesärztekammer
  • der Marburger Bund
  • der Virchowbund
  • die DAK-Gesundheit

Sie warnen vor:

  • deutlich mehr Arztbesuchen wegen leichter Infekte,
  • überfüllten Wartezimmern, besonders in der Erkältungs- und Grippesaison,
  • höherem Infektionsrisiko in den Praxen,
  • zusätzlicher Bürokratie,
  • einer stärkeren Belastung der Hausarztpraxen.

Nach Einschätzung des Virchowbundes könnten Millionen medizinisch nicht notwendiger Arztbesuche entstehen.

Weitere gesundheitspolitische Beschlüsse

Außerdem sieht das Koalitionspapier vor:

  • eine Termingarantie für Facharzttermine im geplanten Primärarztsystem
  • eine gesetzlich geregelte Infarktvorsorge, die an frühere Pläne des gescheiterten Herz-Gesetzes anknüpft
  • schärfere Strafen bei vorsätzlich falschen Angaben im Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Unterschiedliche politische Bewertungen

Während die SPD die geplante Termingarantie und die Infarktvorsorge als Verbesserungen für Patienten begrüßt, sprechen die Grünen und zahlreiche Ärztevertreter von einer gesundheitspolitischen Fehlentscheidung. Sie befürchten, dass die Maßnahmen Hausarztpraxen zusätzlich belasten, ohne die Ursachen hoher Krankenstände wirksam zu bekämpfen.

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Der Artikel erschien zuerst auf aerztezeitung.de

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