
Eine große genetische Metaanalyse liefert neue Hinweise darauf, dass Fibromyalgie eine biologische Grundlage im zentralen Nervensystem besitzt. Analysiert wurden Daten von mehr als 2,5 Millionen Menschen aus elf Kohorten, darunter 54.629 Personen mit Fibromyalgie. Die Forschenden identifizierten 26 Genregionen, die statistisch mit dem Erkrankungsrisiko verbunden waren.
Die genetischen Signale betrafen vor allem Gene mit Funktionen in Gehirn und Nervensystem. Die stärkste Verbindung zeigte sich bei einer häufigen Variante im HTT-Gen. Sie unterscheidet sich jedoch von der seltenen Genveränderung, die die Huntington-Krankheit verursacht. Weitere Hinweise fanden sich unter anderem für den HTT-Regulator GPR52 sowie die Gene DCC, DRD2/NCAM1, MDGA2 und CELF4. Die erbliche Veranlagung für Fibromyalgie war in der Analyse ausschließlich in Hirngewebe und neuronalen Zelltypen angereichert.
Darüber hinaus bestanden deutliche genetische Überschneidungen mit anderen chronischen Schmerzsyndromen und verschiedenen Begleiterkrankungen. Besonders stark waren die Zusammenhänge mit Kreuzschmerzen, posttraumatischer Belastungsstörung und Reizdarmsyndrom. Obwohl Fibromyalgie deutlich häufiger bei Frauen diagnostiziert wird, war die zugrunde liegende genetische Architektur bei Frauen und Männern nahezu gleich.
Die Ergebnisse unterstützen die Einordnung der Fibromyalgie als Erkrankung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem und widersprechen der früher verbreiteten Vorstellung, die Beschwerden seien lediglich psychisch bedingt. Aus den genetischen Zusammenhängen lässt sich jedoch noch keine neue Behandlung ableiten. Sie können helfen, biologische Mechanismen genauer zu untersuchen und langfristig neue Therapieansätze zu entwickeln.

Der Artikel erschien zuerst auf aerzteblatt.de
