
Melatonin ist vor allem als körpereigenes Hormon zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus bekannt. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse deutet nun darauf hin, dass der Wirkstoff auch bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen eine ergänzende Rolle spielen könnte.
Das Forschungsteam wertete 23 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.028 Erwachsenen aus. Untersucht wurden unter anderem Menschen mit Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie sowie Patientinnen und Patienten nach Operationen an Gelenken oder der Wirbelsäule. Bei chronischen Beschwerden zeigte sich im Gesamtergebnis eine geringe Schmerzlinderung. In besonders sorgfältig durchgeführten Studien lag die Verbesserung im Mittel bei rund zehn Punkten auf einer Skala von 0 bis 100. Auch die Schlafqualität konnte sich verbessern.
Die Ergebnisse müssen dennoch zurückhaltend eingeordnet werden: Gegenüber Placebo war die Schmerzlinderung in der Hauptanalyse nicht eindeutig statistisch nachweisbar. Zudem unterschieden sich Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Behandlungsdauer zwischen den Studien erheblich. Die Aussagekraft der bisherigen Evidenz bewerteten die Forschenden als niedrig bis moderat; viele Effekte erreichten zudem nicht die Schwelle einer klinisch deutlich spürbaren Verbesserung.
Melatonin sollte deshalb nicht eigenständig als Ersatz für eine bestehende Schmerztherapie verwendet werden. Denkbar ist nach ärztlicher Rücksprache eine ergänzende Anwendung, insbesondere wenn chronische Schmerzen mit Schlafproblemen verbunden sind. Weitere größere Studien mit einheitlichen Dosierungen und längeren Beobachtungszeiten sind notwendig.

Der Artikel erschien zuerst auf aerzteblatt.de
