
Eine Behandlung mit Opioiden führt häufig zu Verdauungsproblemen, insbesondere zur sogenannten opioidinduzierten Obstipation (OIC), von der je nach Studie bis zu 80 Prozent der Patientinnen und Patienten betroffen sein können. Im Gegensatz zu anderen Nebenwirkungen entwickelt sich hier keine Toleranz – die Beschwerden beginnen meist mit Start der Therapie und bleiben dauerhaft bestehen. Typisch ist dabei ein ganzes Bündel an Magen-Darm-Symptomen wie harter Stuhl, starkes Pressen, Blähungen, unvollständige Entleerung oder schmerzhafter Stuhlgang. Für viele Betroffene ist das so belastend, dass sie ihre Schmerztherapie abbrechen.
Standardmäßig werden zunächst Laxantien eingesetzt, sie gelten als Erstlinientherapie. Allerdings haben sie praktische Nachteile, etwa eine schlechte Akzeptanz bei der Einnahme, und vor allem behandeln sie nicht die eigentliche Ursache der OIC. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend wirken, kommen sogenannte PAMORA zum Einsatz. Diese Medikamente blockieren gezielt die Wirkung der Opioide im Darm, ohne die schmerzlindernde Wirkung im Gehirn zu beeinträchtigen, da sie die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Leitlinien empfehlen ihren Einsatz ausdrücklich bei unzureichender Wirkung von Laxantien.
Studien zeigen, dass PAMORA bei vielen Patienten wirksam und gut verträglich sind und Beschwerden deutlich reduzieren können. In Deutschland stehen dafür verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die je nach Situation unterschiedlich angewendet werden. Wichtig ist jedoch, vor Beginn der Opioidtherapie den Ausgangszustand der Darmfunktion zu erfassen, da PAMORA nur bei opioidbedingter und nicht bei bereits vorher bestehender Verstopfung wirken.
Entscheidend ist zudem eine gute Aufklärung: Patientinnen und Patienten sollten frühzeitig über dieses mögliche Problem informiert werden und wissen, dass es wirksame Behandlungsoptionen gibt. Gleichzeitig sollten Ärztinnen und Ärzte aktiv nach entsprechenden Beschwerden fragen, da viele Betroffene Hemmungen haben, darüber zu sprechen.
